Mein Dorf gegen mich!

Allein im Dauerstreit mit allen

Dienstag, 14.08.2012, 22:15 Uhr bei ZDF

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ZDF 37°

Die Welt könnte für Herbert Löffler und Franz Heinle so schön sein, zumindest auf den ersten Blick. Löffler residiert als "Hobbylandwirt" auf dem idyllischen Castellberg in Südbaden, Heinle pflanzt als Pensionär und Hobbymundart-Dichter Salatköpfe in seinem Gemüsegarten in Altenmüster an. Doch nichts ist, wie es scheint. Beide liefern sich seit Jahren einen Streit mit Nachbarn und Behörden, die angeblich ihren Frieden stören. In ihren Gemeinden sind beide als Nörgler und dickköpfige Querulanten verschrien, die den Menschen im Dorf keine Ruhe lassen. Auf Protestplakaten und Internetseiten lebt der Widerstand. Doch wie konnte es soweit kommen?

Franz Heinles Blick in Altenmüster wandert täglich zum Haus seines Nachbarn, dem Hauptfeind in seinem Streit um den "Grasweg", einem kleinen Pfad, der direkt an Heinles Haus vorbeiführt und von den Dorfbewohnern seit Jahren als Hundetoilette missbraucht wird. Für Heinle ein großes Ärgernis: 84 stinkende Hinterlassenschaften hat Heinle an nur einem Tag auf dem Weg gezählt und alles fotografisch festgehalten. Um des Friedens willen schlug er vor, der Gemeinde diesen Weg abzukaufen und zu sperren.

Doch der Nachbar hielt dagegen, initiierte erfolgreich eine Unterschriftensammlung gegen den Verkauf des Weges. Heinle reagierte auf seine Weise: Die 57 Unterzeichner hat er zu seinen Feinden erklärt und grüßt sie seitdem nicht mehr. Auch glaubt er an eine Manipulation der Liste. Leidtragende ist vor allem seine Frau. Auch sie soll mit keinem der "Gegner" mehr sprechen. Die Folge: Die Heinles geraten mehr und mehr in die Isolation, werden von der Dorfbevölkerung geschnitten.

Vor drei Jahren berichtete "37 Grad" schon einmal darüber, wie Herbert Löfflers heile Welt durch einen Grillplatz gleich neben seinem Grundstück zerstört wurde.

"Feierwütiges Partyvolk", so schimpft Löffler, habe das Freizeitgelände belagert und durch Müll und Lärm die Idylle gestört. Der Landwirt ging auf die Barrikaden, filmte unter anderem die nächtlichen Besucher, um Beweise zu sammeln.

Der Streit eskalierte, aber nach einer Mediation zwischen ihm und dem damaligen Bürgermeister des Ortes sah es so aus, als ob der Konflikt ein für alle Mal gelöst sei: Grillverbote, eine Sperrstunde ab 22 Uhr, Leinenzwang für Hunde und mehrere Hinweisschilder sorgten zunächst für Ruhe und Frieden vor Löfflers Haustür. Damit endete auch der "37º"- Film. Doch inzwischen ist alles wieder beim Alten, denn mit wiederholten Verstößen gegen die Ordnung kam Löfflers Wut zurück. "Was helfen Gesetze, wenn sie nicht eingehalten werden?", empört er sich wieder und wieder.

In Rage über Ruhestörer bläst er schon mal selbst mit einer Vuvuzela Richtung Grillplatz. Und er nutzt sogar einen offiziellen Besuch von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Nachbarort, um seine Probleme offiziell vorzutragen. Im Saal wird er von den Dorfbewohnern ausgebuht. Sie sehen in Löffler einfach nur einen Dauernörgler. Die Situation scheint verfahren.

Genau wie bei den Heinles leiden auch bei den Löfflers vor allem die Angehörigen unter den Auseinandersetzungen. Das führte bereits dazu, dass Löfflers ältester Sohn genervt den Hof der Eltern verließ.

Dieser "37 Grad"-Film wirft einen Blick auf Menschen, die sich durch eine Auseinandersetzung immer mehr von der Gemeinschaft isolieren und irgendwann alleine dastehen - ob sie im Recht sind oder nicht. Ein unlösbares Dilemma - oder gibt es doch einen Hoffnungsschimmer?

http://www.zdf.de/ZDFmediathek

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