Herbert gegen den Rest der Welt

Ein Landwirt im Dauerstreit

Dienstag, 08.12.2009, 22:15 Uhr bei ZDF

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Es könnte alles so schön sein: am Rande des Südschwarzwaldes, in einem idyllischen Dorf, das schon einmal zu den schönsten des Landes Baden-Württemberg gekürt wurde. Doch für Landwirt Herbert Löffler aus Ballrechten-Dottingen ist diese Welt schon seit langer Zeit nicht mehr in Ordnung. Sein verärgerter Blick konzentriert sich auf das, was sich ständig vor seiner Haustür abspielt. Denn in der Nähe liegt der Castellberg, ein Grillplatz mit Hütte und Kinderspielplatz, der von der Dorfbevölkerung gerne und oft genutzt wird. Nach Meinung von Landwirt Löffler sei hier eine „ausufernde Partymeile“, wie er sagt, entstanden, mit lauter Musik bis in die Morgenstunden, Müll und Fäkalien auf seinem angrenzenden Grundstück. Hinzu kommt, dass ein Wanderweg quer durch sein Anwesen führt.

Mit diesem Konflikt beginnt ein Kleinkrieg, der sich nun schon über Jahre hinzieht. Es geht gegen Bürgermeister Bernd Gassenschmidt, der nach Ansicht Löfflers nur die Interessen der anderen 2000 Einwohner der Gemeinde vertritt. Eine „Benutzerordnung“ des Geländes habe nicht viel gebracht.

Der Streit eskaliert. Es kommt immer wieder zu gegenseitigen Vorwürfen und regelrechten Eklats: Mal sperrt Löffler den Wanderweg, weil er über sein Grundstück führt, dann soll er bei öffentlichen Veranstaltungen ausfällig geworden sein oder Schüler während ihres Ausfluges zum Castellberg angeblich verbal attackiert haben. Man kann allerdings durchaus Verständnis für Herbert Löffler haben. Schließlich ist es nun mal sein Grundstück, durch das der Weg führt und ein Recht auf Ruhe hat er sicherlich.

Wer Recht hat oder nicht soll allerdings nicht im Mittelpunkt dieses Films stehen. Immer wieder gibt es Berichte über solche oder ähnliche Auseinandersetzungen. Die Streitenden verlieren sich über die Jahre immer mehr in ihren Konflikten, horten Aktenberge, schmieden neue Rachepläne, haben im Kopf nur noch den nächsten Gerichtstermin. Ihr Leben zieht indes an ihnen vorbei. Mit diesem Beispiel will „37 Grad“ den Blick darauf werfen, welche Konsequenzen es hat, wenn Herbert Löffler sich gegen den „Rest der Welt“ auflehnt – und ob es dies wert ist. Denn mittlerweile haben er und seine Familie sich völlig von der Gemeinschaft isoliert. Der Streit hat Herbert Löffler und seiner Familie die Lebensfreude genommen. Und auch gesundheitlich macht sich der Stress längst bemerkbar: Eine Kur hat Herbert Löffler schon hinter sich - doch die Nerven liegen schnell wieder blank. Ihm geht diese gefühlte Ungerechtigkeit nicht mehr aus dem Kopf und beim Abendessen mit der Familie kennt er oft nur ein Thema. Auch wenn Ehefrau Ute und Sohn Rafael hinter ihm stehen: Sie können das Thema längst nicht mehr hören und wünschen sich die Klärung der Streitigkeiten - vor allem für ihren Familienfrieden. Denn der Ehemann und Vater hat sich stark verändert und damit auch das einst harmonische Leben auf dem Castellberg.

Hoffnung ist in Sicht - vielleicht: In dieser verfahrenen Situation soll jetzt eine Mediatorin zwischen Herbert Löffler und seinem Bürgermeister vermitteln. Für den ersten Termin hat der Landwirt eine Liste mit Forderungen vorbereitet. Doch auch Bürgermeister Gassenschmidt hat genaue Vorstellungen.

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