ARTE THEMENABEND

Ein wenig für die Armen, aber das meiste für mich. Im Dickicht der Spendenindustrie.

Dienstag, 11.12.2012

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In großem Stil werden Spender jedes Jahr mit Hochglanzkampagnen und teuren Bettelbriefen überflutet. Große Kinderaugen, erbärmlich aussehende Tiere, in Lumpen gekleidete Menschen in Krisenregionen - mit diesen Fotos wird absolut professionell und zusätzlich mit geschickten Psychotricks Mitleid erzeugt. Hinter den Kulissen gibt es weniger Hochglanz, dafür umso mehr Grauzone und zunehmende Selbstbedienungsmentalität.

Die Hilfsorganisationen sprechen zwar gern und bereitwillig über Ihr erfolgreiches, nachhaltiges Wirken, schotten sich aber sofort ab, wenn man Arbeitsweise, Geldflüsse und Bilanzen hinterfragt. Ein dunkles Reich, denn die Spendenindustrie unterliegt keinen Regeln.

Es wird dubiosen Organisationen leicht gemacht, Spendengelder zu veruntreuen. Es gibt weder in Deutschland noch in Frankreich wirkungsvolle Kontrollorgane, die sich um den Spendenfluss international operierender Hilfsorganisationen kümmern. Doch woran erkennen Spender, dass eine Organisation unseriös arbeitet und wem kann man noch guten Gewissens spenden?

 

Im Dickicht der Spendenindustrie

Ein Film von Joachim Walther, Länge: 91:45 Minuten

Rund 6,5 Milliarden Euro spenden Deutsche und Franzosen pro Jahr für den guten Zweck. Doch an diesem Spendenkuchen möchte eine ganze Industrie mit verdienen, die emotionale Spendenaufrufe verschickt - Hilfsorganisationen, Spendenwerber, Adresshändler.

Stefan Loipfinger, Autor des Buches „Die Spendenmafia" und scharfer Kritiker der Branche beobachtet gemeinnützige Organisationen und kommt zu dem Schluss: „Die breite Öffentlichkeit weiß nicht, dass ein Großteil des Geldes im Endeffekt häufig für den professionellen Werber verwendet wird." Und diese Masche hat nicht selten System. 2009 erschütterte ein Spendskandal Frankreich. Gleich mehrere Hilfsorganisationen wurden als Briefkastenfirmen enttarnt. Bis heute ermittelt die Justiz.

Wir begleiten den Journalisten Etienne Gingembre bei seinen Recherchen vor Ort bei den Hilfsorganisationen. „Ein Großteil dieser Hilfsorganisationen besteht weiterhin, das heißt sie machen Spendenaufrufe, sie sammeln weiterhin Spenden, bekommen sogar bedeutende Summen, aber 3 Jahre nach Beginn der Untersuchungen, haben wir noch immer nicht die Untersuchungsergebnisse!" Immer mehr Gelder bleiben im System der Spendenindustrie hängen und immer weniger landen bei den wirklich Bedürftigen. Doch wohin fließen die Hilfsgelder? Wer verdient daran? Warum legen nur wenige Organisationen ihre Bilanzen offen? Warum gibt es kaum Kontrollen?

Die Schriftstellerin und Professorin Sylvie Brunel war anderthalb Jahre Präsidentin einer großen französischen Hilfsorganisation. „In der Welt der humanitären Organisationen herrscht das Gesetz der Omerta. Man darf nicht darüber sprechen, man darf nichts sagen, denn wenn man über eine Organisation negativ spricht, spricht man gleich über alle anderen auch negativ."

Im Dickicht der Spendenindustrie - unsere Dokumentation folgt konsequent dem Fluss des Geldes, von der Spende zum Empfänger. Dabei hinterfragen wir die Strukturen einer Branche, und klären, wie viel Geld tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt.

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